Die Mittelmeerküste mitten in Havanna. Hans Jörg Bachmann (1949) fotografiert am liebsten mit einer analogen Spiegelreflexkamera.

 

 

Die Revolution steht still

Kuba, La Havanna. Pastellfarbene Kolonialbauten und alte Autos, Rum und Zigarren. Bilder flimmern vor dem inneren Auge. Seit uns Wim Wenders mit Buena Vista Social Club in die musikalische Welt Havannas geführt hat, summt der eine oder die andere vielleicht auch die bekannte Melodie von «Chan Chan» vor sich hin. Der Charme der karibischen Perle ist unbestritten. Der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Florian Borchmeyer hat in «Havanna – die neue Kunst Ruinen zu bauen» aber auch gezeigt, dass die kubanische Hauptstadt bei genauer Beobachtung ein wahrlich anderes Gesicht zeigt – die Hamburger Morgenpost umschrieb seinen Film als «scharfsinniges und schönes Porträt einer sterbenden Stadt».

 

Fotografischer Roadmovie

La Havanna bietet sich an, genauer hinzusehen und zu entdecken. Es ist jene Herausforderung, die Hans Jörg Bachmann an der Fotografie mag, «dass ich genauer beobachte». Seit 30 Jahren tut er dies, immer wieder zieht es ihn in die Ferne, das Alleine-Reisen hat ihn überhaupt erst zur Fotografie gebracht. Im andalusischen Rodalquilar, in der Hafenstadt Genua oder in der kubanischen Millionenstadt fängt er Städtelandschaften und architektonische Zeitzeugen ein, immer wieder auch Landschaften. Inspiration dafür liefert ihm der japanische Fotograf Hiroshi Sugimoto. Was auf diesen Reisen entsteht, ist oft eine Art «fotografischer Roadmovie», wie er sein Schaffen selbst in Worte fasst. Zurzeit arbeitet er an Landschaften Südspaniens.

 

Zum Foto

In diesen Reihen bewegter und bewegender Bilder zeugen einige auch vom Stillstand. Das Bild zeigt eines der grossen städtischen Kinos im Stadtteil Vedado. «Cerrado por remodelacion» steht da, wegen Umbau geschlossen. «Ich mag das Ambiente und die Einfachheit des Bildes», sagt er. Und auf die Frage hin, was Fotografie eigentlich ist, meint er: «Fotografie ist das Festhalten eines bestimmten Momentes oder einer Situation, die den Anspruch der Wiedergabe einer Wirklichkeit erfüllt oder bewusst unterläuft.»

 

Zur Person

Visuelle Kunst begleitet Hans Jörg Bachmann seit jeher. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer für Bildnerisches Gestalten besuchte er die PHS St. Gallen und die Hochschule der Künste Berlin. Seit mehreren Jahren stellt er regelmässig in St. Gallen und Umgebung  aus. Sein intensivstes Erlebnis als Fotograf? «Alleine in der menschenleeren Landschaft.»

 

Das Portrait über Hans Jörg Bachmann entstand im September 2009. hjbachmann.ch

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