Jorma Müller auf der Suche nach dem richtigen Licht – hier in Kalifornien.

 

 

Analoge Bildwelten: essenziell und unmittelbar

Wie würdest du deine Fotografie beschreiben?

«Es ist wahrscheinlich meine Sichtweise der Dinge. Ich mache gerne Bilder von Menschen, gestellte. Es ist wie die Suche nach der Wahrheit ausserhalb der versteckten Beobachtung. Vielleicht sind meine Bilder auch eine Art Selbstportraits, denn in vielen Portraitierten spiegelt sich die Aura des Fotografen. Dessen Wirkung auf das Objekt lässt es anders erscheinen.»

 

Welche Herausforderung magst du am Fotografieren?

«Den ganzen technischen Scheiss, den Voyeurismus, die Beziehung zum Objekt und das Licht. Meine Unsicherheit und Hilflosigkeit und das geile Gefühl, wenn es dann ein gutes Foto wird.»

 

Womit fotografierst du am liebsten?

«Polaroid Grossformat. Es ist unmittelbar und unveränderlich, alles konzentriert sich auf einen Schuss. Man sucht den richtigen Moment, der schlussendlich ein Zufallstreffer ist, ein Augenblick. Polaroid bedeutet im Prinzip das Essenzielle der Fotografie, die Vorbereitung und der Akt des Fotografierens sind ja die eigentliche Tat. Das Ergebnis hält man nach einer Minute in der Hand.»

 

Was möchtest du mit der Kamera mal einfangen?

«Ich sehe häufig Szenen, bei denen ich denke, ich müsste eigentlich anfangen zu filmen, um es richtig einzufangen. Aber ich bin Fotograf und mache ein Bild.»

 

Zur Person 

Durch Lukas Unseld, der ihn zur Lokalzeitung schickte – «wenn du schon mal so gerne fotografierst» – ist Jorma Müller (1972) zur Fotografie gekommen. Es sind denn, «neben den Namen auf Fotobüchern und Glanzmagazinen, die ich zig Mal durchgesehen habe», auch lokale Fotografen, von denen er viel gelernt hat, die er bewundert und die ihn inspirieren. Der Autodidakt publiziert 1991 sein erstes Bild, heute ist er freischaffender Fotograf und arbeitet vornehmlich im Bereich Mensch: Porträts, Werbung, Mode und Reportagen. Auf die Frage hin, was Fotografie ist, sagt er: «Die ständige Suche nach dem richtigen Licht. Klingt abgedroschen, ich weiss, ist aber so.»

 

Zum Bild

«Das Bild ist im April 2009 in Indio, Kalifornien am Coachella Festival auf dem Staffparkplatz entstanden. Es ist ein sehr amerikanisches Bild, stellt die Freiheit und Unabhängigkeit dar. Auch Aufbruch. Gute Eigenschaften der Amis, die heute, in den Zeiten des Antiamerikanismus leider negativ dargestellt werden.» Ausrüstung: Farbnegativfilm 800 ASA, Kamera Yashica T5.

 

Das Portrait über Jorma Müller entstand im März 2010. jormamueller.ch

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